Unternehmen stehen aktuell unter einem dauerhaften Krisendruck: angespannte Konjunktur, restriktive Geldpolitik, geopolitische Konflikte, fragile Lieferketten, Regulierungsschübe. In dieser Stapelkrise ist „Resilienz“ zum Modewort geworden, doch Schlagworte allein stabilisieren kein Geschäftsmodell.
Gerade in der Restrukturierung ist es wichtig das Unternehmen schnell zu stabilisieren, um zu überleben. Wer seine Risiken kennt und diese in Prozesse, Kennzahlen und Entscheidungsroutinen übersetzt gestaltet die eigene Organisation belastbarer, indem er schnell korrigierend eingreifen kann. Das beschreibt die Fähigkeit der Resilienz gut und aus dem Modewort wird ein belastbarer Vorteil im Wettbewerb
Leider werden Risiken nur selten strukturiert gemanagt und im Zweifelsfall reagiert. Gerade in der Restrukturierung ist das Unternehmen damit zu langsam und die Sanierung droht. Risikomanagement fokussiert sich auf die wesentlichen Einflüsse und Auswirkungen auf das Unternehmen. Mit diesen Schritten setzen sie den richtigen Fokus:
Aktuelle Risikoanalysen zeigen deutlich: Die wahrgenommenen Top‑Risiken unterscheiden sich je nach Perspektive.
Der Allianz Risk Barometer 2025 verdeutlicht im globalen Kontext insbesondere:
In der Risk Map 2025 der RiskNET-Community mit starkem Fokus auf Deutschland und die DACH‑Region zeigt sich ein anderes Bild:
Die Diskrepanz ist eindeutig:
Unternehmen laufen Gefahr, sich operativ in Bürokratieabwehr zu verlieren, während elementare Zukunftsrisiken (Cyber, Klima, Lieferkette, geopolitische Brüche) zu wenig systematisch bearbeitet werden.
Resilienz hat sich in den Medien zu einem Trendwort entwickelt. Krisen zu überstehen, sich davon zu erholen und gestärkt daraus hervorzugehen. Hier gibt es nur einen Haken, wir befinden uns mitten mehreren Krisen, deshalb Stapelkrise. Resilienz ist keine angeborene Fähigkeit und schon gar nicht ein Produkt, das man im Laden kaufen kann und diese muss systematisch aufgebaut werden. Resilient zeigt sich eine Organisation, wenn Probleme und Herausforderungen, strukturiert und systematisch bewältigt werden. Der Umgang mit Risiken hat dabei einen signifikanten Einfluss:
Restrukturierung in der Krise bedeutet daher vor allem, die eigene Prozesslandschaft so aufzustellen, dass sie Risiken und Chancen systematisch abbildet. Zuerst sollte das Unternehmen die wirklichen Stellhebel in den wertschöpfungsrelevanten Prozessen identifizieren und dann die Maßnahmen dort zu platzieren, wo sie den größten Effekt auf Stabilität, Kosten und Liefersicherheit entfalten.
Damit Risiken nicht in Präsentationen und Registerlisten verharren, sondern steuerungsrelevant werden, müssen die Prozesse im Unternehmen bestimmte Mindestanforderungen erfüllen:
Klare Definition und Verantwortlichkeit
Ohne diese Basis lassen sich Risiken nur allgemein („IT‑Risiko“, „Lieferkettenrisiko“) diskutieren, aber nicht konkret bearbeiten.
Messbarkeit durch geeignete Kennzahlen
Prozesse müssen so gestaltet sein, dass sie messbar sind. Wichtig ist dabei ein Kennzahlensystem mit mehreren Ebenen:
Damit diese Kennzahlen für das Risikomanagement nutzbar werden, müssen sie:
Ein oft anzutreffendes Negativbeispiel:
Die Kennzahl „Anzahl bearbeiteter Tickets“ in einer IT‑Abteilung sagt kaum etwas über Risikoreduktion aus. Relevanter wären Kennzahlen wie mittlere Wiederherstellungszeit kritischer Systeme (MTTR), Anteil rechtzeitig eingespielter Sicherheitsupdates oder Quote erfolgreich bestandener Security‑Tests.
Kennzahlen allein erzeugen noch keine Resilienz. Es braucht einen etablierten und gelebten Management‑Zyklus:
Dieser Zyklus ist der Kern einer restrukturierungsfähigen Organisation: Risiken werden nicht nur dokumentiert, sondern führen zu nachvollziehbaren, messbaren Eingriffen in Prozesse und Strukturen.
Beispiel: Sensitivitätsanalyse von Prozessen
Ein praxisnaher Ansatz zur Priorisierung von Restrukturierungsmaßnahmen ist die Sensitivitätsanalyse von Prozessen. Hierfür nutzen wir ein produzierendes Unternehmen zur Herstellung von Isoliergläsern als Beispiel.
Zunächst werden die relevanten Prozesse eines Wertstroms (z.B. bei einem Isolierglashersteller: Zuschnitt, Veredelung, Zusammenbau, Qualitätssicherung, Logistik) identifiziert. Für jeden Prozess wird analysiert, in welchem Umfang er zu Fehlerkosten, Lieferverzug, Qualitätsabweichungen oder Sicherheitsrisiken beiträgt. Anschließend wird bewertet, wie stark bestimmte Maßnahmen (z.B. zusätzliche Prüfungen, Automatisierungsschritte, redundante Ressourcen, IT‑Backup‑Konzepte) diesen Beitrag reduzieren können.
Das Ergebnis:
Im Falle des Beispielunternehmens lassen sich einzelne Prozesse identifizieren, die bezogen auf die definierte Zielsetzung (z.B. Reduzierung der Fehlerkosten) wie folgt darstellen lassen.
Kombiniert mit einem geeigneten Kennzahlensystem wird so nachvollzogen, ob etwa:
Viele Organisationen verfügen bereits über Elemente etablierter Managementsysteme (z.B. Qualität, Umwelt, Energie, Informationssicherheit, Datenschutz). Häufig werden Anforderungen jedoch isoliert umgesetzt:
Die Folge sind Doppelarbeit, Medienbrüche und schwer steuerbare Strukturen, genau das Gegenteil von strukturiert.
Ein prozessorientiertes Risikomanagement nutzt Managementsysteme als Rahmen und integriert neue regulatorische und technologische Anforderungen:
In einer Welt, in der Krisen zum Dauerzustand geworden sind, reicht es nicht, Resilienz als Leitbild zu proklamieren. Unternehmen, die Restrukturierung ernst nehmen, müssen:
Firmen mit gut entwickelten, gelebten Prozessstrukturen und einem durchdachten Kennzahlsystem können schneller und zielgerichteter auf äußere Einflüsse reagieren, eben resilienter. Der Weg aus der Restrukturierung wird so vom einmaligen Kraftakt zur kontinuierlichen, messbaren Fähigkeit des Unternehmens mit Veränderungen umzugehen, eben resilient.